Association Antiallemande Berlin: Eine Ehrenrettung des Pazifismus

>> 24 November 2010

Association Antiallemande Berlin
Eine Ehrenrettung des Pazifismus
23 Nov 2010

(Maikel Nabil auf der Website der War Resisters International. )
Es kann zwar nicht Aufgabe einer ideologiekritischen Assoziation sein, konstruktive Debatten zu führen, bereichernde Geschichten zur Entlastung zu liefern oder gar Hoffnung zu wecken, die doch stets notwendig in den bestehenden Verhältnissen ein ganz und gar Ephemeres bleibt: nichtsdestotrotz können wir festhalten, dass es selbst in Zeiten des grassierenden Wahns hier und da ein Refugium der Vernunft gibt. Nicht etwa, weil wir das für ausreichend oder gar unbegrenzt ausbaufähig hielten, sondern weil es diese – stets Einzelnen – sind, die die Grundlage für Kritik bilden. Ohne freiheitsfähige und nach Freiheit strebende Subjekte verkommt nämlich jegliche Rede davon zur Phrase. Und dass es solche entgegen aller völkischen Ideologie und zum Trotz aller Verteidiger autochthoner Kulturräume sehr wohl gibt, beweist unter anderem Maikel Nabil Samad. Über Ynetnews erfuhren wir vor einigen Wochen von seinem Schicksal und beschlossen ein Interview mit ihm zu führen, stellt er doch eine bemerkenswerte Ausnahme in der internationalen Friedensbewegung dar und weckt Hoffnung, dass der Begriff des Pazifismus nichts ist, was vollständig den Geiern zum Fraß vorgeworfen werden muss. Im Unterschied zu deutschen Friedensfreunden, die bekanntermaßen keinerlei moralische oder politische Bedenken haben, den islamischen Selbstmordterror als einen Akt legitimer Selbstverteidigung zu verharmlosen, erkennt er die Minimalbedingung eines Pazifismus, der unter Frieden nicht Grabesruhe versteht, umstandslos an: Dass der Schutzraum der jüdischen Menschen sich, solange es antisemitische Aggression gibt, ein Recht auf militärische Selbstverteidigung vorbehält. Diese Einsicht stammt nicht etwa aus einem jahrelangen Studium der Schriften Adornos oder aus blindem Solidaritätszwang, sondern stellt für ihn nach eigenem Bekunden schlicht ein Gebot der Menschlichkeit dar. Er, der sich als liberal, säkular und kapitalistisch versteht, spricht damit aus, was Kommunisten und Friedensbewegte aller Couleur und rund um den Globus bis heute nicht verinnerlicht, geschweige denn verstanden haben. Dass es sich beim Staat Israel um eine prekäre Notwehrmaßnahme derjenigen handelt, die der Vernichtung noch einmal von der Schippe gesprungen sind und sich deshalb noch lange nicht in Sicherheit befinden.
Auch in einer mehrheitlich von antisemitischen Ressentiments geprägten Gesellschaft wie der ägyptischen gelingt es offenkundig, sich davon freizuhalten. Er liefert damit in persona den Beweis für das Mantra, das ideologiekritische Intervention seit Jahr und Tag herunterbricht: dass dem Wahn, der über die Massen hereinbricht auch stets ein Moment der bewussten Entscheidung innewohnt, die widerrufen werden kann. Zu einfach machen es sich diejenigen, die den Feinden Israels unentwegt attestieren, sie hätten keine Wahl – das Gegenteil ist der Fall. Solidarität mit Israel bedeutet nicht etwa antiarabischen Rassismus, wie das Teile der Journaille immer wieder kolportieren, sondern ist vielmehr zwingende Konsequenz aus dem Wissen um die Möglichkeit einer „deutschen Krisenlösung“ und der Reflexion auf die Möglichkeit der „Volksgemeinschaft“ als Folge der ausgebliebenen Revolution.
Die Situation ist alles andere als ausweglos: Maikel Nabil Samad steht dafür als ein Exempel. Während des Zeitraumes, in dem das über Mailverkehr geführte Interview stattfinden sollte, änderte sich die Sachlage frappierend. Am Abend des vergangenen Freitags drangen Teile des ägyptischen Militärs gewaltsam in Herrn Samads Wohnung ein und entführten ihn in ein Gebäude des ägyptischen Geheimdienstes, in dem er eine Nacht lang festgehalten wurde. Am darauffolgenden Tag wurde er einer Reihe medizinischer Untersuchungen unterzogen, bevor er aus dem Militärdienst entlassen wurde. Seine politischen Freiheiten, sowie sein Recht auf freie Ausreise wurden rekonstituiert und die Gefängnisandrohung aufgehoben. Maikel Nabil Samad ist damit nicht nur der erste gewissensmäßige Wehrdienstverweigerer Ägyptens, sondern zudem straffrei ausgegangen. Dies ermöglichte nicht zuletzt der politische Druck, der durch die israelischen Medien und die internationale Öffentlichkeit aufgebaut werden konnte und der die ägyptische Regierung wohl schlussendlich dazu bewegte, einzulenken. Wie auch in den Palästinensergebieten zeigt sich hier abermals, dass nicht etwa die selbstmörderische Aufopferung im Jihad oder der Intifada, sondern vielmehr die friedliche Kooperation mit dem jüdischen Staat die einzige und beste Möglichkeit darstellt, individuelle Freiheiten endlich auch in der arabischen Welt durchzusetzen.
Selbstverständlich sehen die arabischen Friedensbewegungen nicht viel rosiger aus als die europäischen, was die Anerkennung des Rechtes auf Selbstverteidigung anbelangt – Erfolgsgeschichten wie diese halten allerdings die Möglichkeit offen, dass sich das einmal ändert. Es stünde zu hoffen, dass das Beispiel von Maikel Nabil Samad zahlreiche Nachahmer findet. Der Vollständigkeit halber sei hier jener Teil des Interviews, der bereits geführt wurde, unredigiert wiedergegeben:

1) Could you describe your biography a little bit? You describe yourself as liberal, secular and pacifist, how did you develop these views?
- I describe myself on my Facebook Page as: Liberal, Secular, Capitalist, Feminist, Pro-Western, Pro-Israel, Atheist, Materialist, Realist, Pro-Globalist, Intactivist, Anti-militarist, and Pacifist
- I‘m a veterinarian, 25 years old, I‘m a political activist since 2005, blogger since 2006, The founder and president of „No for compulsory Military Service“ Movement since April 2009
- I chose to believe in such ideas as a result of my massive readings to several writers from all over the world, especially the age of enlightenment in Europe… Also seeing what militarists, communists, fundamentalists and nationalists did to my country, and how Egypt became a poor dictatorial country because of them … This made me choose to be anti-militarist, Capitalist, Globalist

2) It’s uncommon for pacifists to solidarize themselves with Israel, you already pointed this out in your mail. Have you ever been organised in any pacifist leagues and if so, have you experienced resistance towards your stance concerning that topic?
I haven‘t been organized before in any pacifist organization, as there are no such organizations in Egypt. But I realized that lots of pacifists around the world don‘t like what I say supporting Israel … As I‘m living between Arabs. I know how Arabs treat Non-Muslims; I know how they hate Jews, Christians and Atheists; how they wish to expel all the Israelis out of their land … So, I can‘t ask Israelis not to defend themselves, and to be killed or expelled by Arabs, as what happened to Jews in Arab countries in the 50s.
My country Egypt, fought Israel in 48 aiming to prevent the existence of Israel, prevented Israeli ships from sailing in International waters, prevented passing even food and water to Israelis through its land or water, declared wars on Israel several times, expelled 60 thousand Egyptian Jews in 1956 after stealing all their money … If I didn‘t support the right of Israel to live in peace, I wouldn‘t be able to consider myself a human.

3) How do you experience your own position in Egypt’s society in general? Do you feel that your view can be voiced or do you rather have the impression that there is not much of an interest of the general public in your case, even though you are – as you claim – the first conscientious objector in Egypt?
- When I talk about ending of the obligatory military service, majority of youth supports me, older people disagree with me, the elite honors me but afraid to say that
- When I talk about peace with Israel, most of people reply violently. But I think we are just in the beginning and we need some time to make a stream of Egyptians who wants to co-exist with Israel
- When I talk about Pacifism, the majority of people couldn‘t imagine Egypt without an army in an area containing Iran, Israel, Syria, Ethiopia, Turkey and Others … I think abolishing of the Egyptian army wouldn‘t be possible without abolishing big armies in the area

4) What penalties do you think you are going to face, considering your actions, are you any worried?
According to the law, I could be arrested and led to a military trial which could imprison me for long years. Also, I‘ll be banned from travelling abroad till I reach 30 years. I‘m already banned from travelling abroad for 3 years now (since October 2007), which means 8 years without ability to travel out of Egypt. In addition to all that, I‘ll lose my political rights for the rest of my life, I won‘t be able to run for any political position
- But clearly, Egypt isn‘t a legal state, they can execute me if they wanted, and they could ignore me completely if they wanted… they are ignoring me till now

5) Do you have any connections to organizations both in Egypt and abroad that may help you with upcoming lawsuits?
Till now, I don‘t have any organization supporting me in front of the Egyptian courts. I have lots of Friends in international organizations supporting me (As in War resisters‘ International & The European Bureau for Conscientious Objection). Egyptian organizations is still afraid to support me, and that will be a big problem if i faced a trial in Egypt as I‘ll be alone

6) Could you give us a small insight about how we have to imagine the general social climate in Egypt? What do you think are the pressing problems, politically, socially and in terms of religion?
Egypt passes through lots of changes theses years; including the political system, the public opinion, religious views and lots of other things… There is a big wave of religious fundamentalism, but there is a big wave of Atheism facing it … The country is converting from a military state into a police state, which makes it easy to stand against the army … sure, I can‘t answer that question in a few words.

7) More specifically, how do you think your compatriots judge the so-called middle-east conflict?
Before answering that question we need to know some important information. Egypt isn‘t a free country, no one could establish a political party or a newspaper or a media channel without permission from the governor party… Parties and media permissions are taken from „Shurra Council“ whish headed by a former army officer. The army still controlling the media, and no one could say anything about the army or Israel except the army views…. In the same time, the government and the army want the Egyptians to hate Israel, so the government will appear as an angel in front of Israel and the entire modern world
All of this makes the public know only bad things about Israel; they are affected by the non-neutral media which hide on them any good information about Israel … So, the result of all that, that the majority here see Israelis as a gang of criminals, who hates Moslems and Christians, and make war crimes every day because they are bloody and Nazi, etc… I think we have to let them know the facts about Israel, and I think this will make lots of changes in the Egyptian mentality, and the opinions of Egyptians toward Israel
But there is also an enlightened minority, which sees the reality of Israel as a modern liberal secular state, which respects human rights and International laws, I‘m working with those to try to achieve peace in the area. 


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